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[TÜ] PM zu den Blockaden gegen den „Bürgerfrühschoppen“ der Tübinger Verbindungen

Unabhängig von der Kundgebung versammelten sich um 09:30 Uhr an den beiden Eingängen zum Platz vor der Burse zwei bunte Gruppen von jeweils gut 25 Menschen. Über mitgebrachte Radiogeräte wurde die Sendung der Wüste Welle empfangen und die Durchgänge mit Transparenten versperrt.

Im Laufe der Zeit versammelten sich vor den Blockaden immer mehr Verbindungsmitglieder, bis schlussendlich fast alle BesucherIinnen des „Bürgerfrühschoppens“ frustriert vor den Absperrungen verharren mussten.

Die Blockierer*innen hatten durchweg gute Laune, es wurde zur Musik aus den Radios getanzt und Parolen gerufen, in welchen die Positionen der Verbindungen kritisiert wurden.

Polizei und Ordnungsamt hatten trotz Ankündigung offensichtlich nicht mit Blockaden gerechnet. Es waren zu Beginn nur fünf Polizist*innen und einige Vertreter*innen des Ordnungsamts vor Ort.

Somit konnte der Platz, außer von Mitgliedern der Feuerwehr, auf Grund der Blockaden nicht betreten werden, obwohl der Beginn der Veranstaltung auf 10 Uhr angekündigt war.

Im Laufe der Zeit füllten sich die Straßen vor den Absperrungen jedoch auch mit immer mehr Polizist*innen, so dass die Blockaden ab etwa 11:15 Uhr leider nicht mehr gehalten werden konnten und geräumt wurden.

Hierbei gingen die Beamt*innen nicht gerade zimperlich vor. Diverse Jacken, Brillen und Rucksäcke wurden beschädigt, Menschen gewürgt und Haare heraus gerissen. Einer am Boden liegenden Person wurde, trotz des Hinweises an die Polizist*innen, dass vor ihren Füßen ein Mensch liegt, mit dem Kommentar „Ist mir scheiß egal“, in den Bauch getreten, woraufhin sie einen Kreislaufzusammenbruch erlitt.

Auch nach den Räumungen ließen es sich einige Verbindungskritiker*innen nicht nehmen direkt am Veranstaltungsort ihren Protest zu äußern und den Ablauf durch Pfeifen, Sirenen und Sprechchöre zu stören.

Oberbürgermeister Palmer war natürlich auch mit den Verbindungen vor Ort, hielt auf dem „Bürgerfrühschoppen“ eine Rede und lies es sich, wie zu erwarten, nicht nehmen auf facebook diffamierende Kommentare über die Blockierer*innen von sich zu geben.

Dies reiht sich nahtlos in Palmers rückwärtsgewandte Äußerungen der letzten Zeit ein.

Der Pressesprecher der organisierenden Gruppen, Alex Sofo, äußerte sich erfreut: „Es ist uns gelungen die BesucherInnen des „Bürgerfrühschoppens“ über eine Stunde am Betreten des Platzes zu hindern und dadurch den Beginn der Veranstaltung zu verzögern.

Dadurch haben wir ein deutliches Zeichen gegen das Hofieren studentischer Verbindungen durch die Stadt Tübingen gesetzt. Mit einer größeren Beteiligung an den Blockaden hätte zwar mehr erreicht werden können, trotzdem sind wir motiviert im nächsten Jahr wieder zu kommen und der Normalisierung von reaktionären Positionen entgegenzuwirken.“

Rechten Eliten keine Plattform bieten!

Bilder


*[ART]* – Antifa Reutlingen Tübingen

Antifaschistische Aktion [Aufbau] Tübingen

[TÜ] Den Bürgerfrühshoppen der Tübinger Verbindungen blockieren!

Sonntag, 14. Mai 2017, 08:30 Uhr, Tübingen: Holzmarkt – Kundgebung

Am 14. Mai 2017 soll wieder einmal der vom Arbeitskreis Tübinger Verbindungen (AKTV) veranstaltete „Bürgerfrühschoppen“ vor der Alten Burse stattfinden. Dieser stellt ein identitätsstiftendes Event für Tübinger Verbindungen dar. Man kommt zusammen, trinkt Bier, isst Bratwürste und gibt sich bürgernah. Der seit 2009 stattfindende Bürgerfrühschoppen wurde als Ersatz für das jährliche „Maisingen“ der Tübinger Verbindungen etabliert, da jenes immer wieder von starken Gegenprotesten begleitet und gestört wurde. Beim „Maisingen“ zogen die Korporierten in einem Fackelmarsch in der Nacht auf den 1. Mai vom Österberg zum Tübinger Holzmarkt. Dabei wurden deutschtümliche Lieder gesungen.
Beim „Bürgerfrüschoppen“ 2015 lobte Boris Palmer, welcher seit Jahren Begrüßungsworte bei selbigem spricht und ein äußerst gutes Verhältnis zu den Tübinger Verbindungen pflegt, dass es in diesem Jahr zu keinen Störungen durch Verbindungskritiker_innen gekommen sei. Dies zeige laut Palmer, dass der „Bürgerfrühschoppen“ nun zur Normalität gehöre. Palmer betreibt diese Normalisierung von Studentenverbindungen im Tübinger Stadtbild nicht nur durch seine Unterstützung des „Bürgerfrühschoppens“, sondern auch, indem er 2016 eine Zusammenarbeit des Stadtmuseums und des AKTVs herstellte, um den Verbindungen eine Ausstellung in eben jenem zu ermöglichen, welche diese sogleich zur eigenen Selbstdarstellung nutzten. Wer in dieser Ausstellung nach einer kritischen und ausgewogenen Betrachtung von Verbindungen suchte, suchte vergeblich.
Dieser scheinbaren Normalität möchten wir uns nun vehement entgegen stellen.
Bei studentischen Verbindungen handelt es sich in der überwiegenden Mehrzahl immer noch um reaktionäre und elitäre Strukturen.
Auf der einen Seite tragen sie dazu bei, die Machtverhältnisse innerhalb unserer kapitalistischen Gesellschaft zu stabilisieren, indem sie als Karrierenetzwerke fungieren, durch welche die Zusammensetzung der herrschenden Eliten geschlossen und konstant gehalten wird. Auf der anderen Seite sind Verbindungen Orte von Sexismus, in denen an veralteten Männer- und Frauenbildern festgehalten wird. Außerdem handelt es sich bei Studentenverbindungen um Institutionen, in denen ihre Mitglieder durch Rituale und Strafen diszipliniert und in ganz bestimmte Rollen eingepasst werden. Es geht um die Vermittlung von patriotischen, sexistischen und auch rassistischen Werten. Außerdem soll die Bereitschaft hergestellt werden, sich als Einzelne_r in jedem Fall der Gruppe unterzuordnen, auch wenn es den eigenen Bedürfnissen und Gefühlen widerspricht.
Verbindungen festigen also sexistische, rassistische und kapitalistische Machtverhältnisse. Gleichzeitig sind ihre Inhalte oftmals noch reaktionärer als die gesamtgesellschaftlichen Zustände selbst. Dadurch tragen sie einen Teil zum derzeitigen Rechtsruck in Deutschland bei. Damit stehen sie dem Projekt einer emanzipatorischen und gerechten Gesellschaft nicht nur entgegen, sondern stehen viel mehr für eine Zuspitzung von gesellschaftlichen Missständen wie sozialer Ungleichheit, Wohnungsnot und Diskriminierung.
Deshalb ist es wichtig, sich den Studentenverbindungen entgegenzustellen und ihren „Bürgerfrühschoppen“ zu blockieren.
Kommt gerne verkleidet, bringt Dinge mit, um euren Protest auszudrücken und vergesst nicht, tragbare Radiogeräte mitzubringen, damit wir dem „Bürgerfrühschoppen“ ordentlich auf die Nerven gehen können.

Kommt zur Kundgebung, seit laut und bunt!
Lasst elitäre und reaktionäre Verbindungen nicht zur Normalität werden!
Für das Projekt einer solidarischen und emanzipatorischen Gesellschaft!

Kampagne gestartet!

Bundestagswahl 2013 – Keine Stimme der NPD!

Zur Bundestagswahl am 22. September 2013 tritt unter anderem die „Nationaldemokratische Partei Deutschlands“ (NPD) an. Mit populistischen Forderungen nach dem Austritt Deutschlands aus der Europäischen Union und ihrer Selbstinszenierung als „soziale Heimatpartei“ versuchen sich die Faschisten auch in diesem Jahr wieder in Anzug und Krawatte bürgernah und seriös zu geben. Wenngleich die NPD nicht die einzige rassistische Partei ist, die zur Wahl antritt, so ist sie doch in jedem Fall diejenige, die mit ihrem menschenverachtenden Gedankengut am offensivsten in die Öffentlichkeit drängt. Auf Grund ihrer Funktion als Sammelbecken im faschistischen Spektrum und ihrer Position als bundesweit nach wie vor bedeutsamste faschistische Struktur, muss sich eine antifaschistische Intervention während des Wahlkampfs in erster Linie gegen die NPD richten.

Faschistisch…
Um so wichtiger ist es zu erkennen, in welcher ideologischen Tradition die Nazi-Partei steht. Mit der direkten Bezugnahme auf den deutschen Faschismus tritt die NPD ganz unverblümt die historische Nachfolge der NSDAP an. Der NPD geht es also weder um ein solidarisches Miteinander noch um gute Lebensbedingungen für alle Menschen. Ganz im Gegenteil: Der Faschismus hat für die große Mehrheit der Bevölkerung nichts zu bieten. Die um ein Vielfaches verschärfte Ausbeutung der Lohnabhängigen, bei zeitgleicher Zerschlagung der Gewerkschaften, Gleichschaltung des öffentlichen Lebens, Verbot und Verfolgung von fortschrittlichen Kräften, imperialistische Kriege und Vernichtung, sind nur einige Facetten faschistischer Herrschaft.

So steht im Zentrum faschistischer Politik zudem immer auch die rassistische Hetze gegen all jene, die ihrer Meinung nach nicht zur sogenannten „Volksgemeinschaft“ gehören. Der propagierte Rassismus zielt dabei nicht nur auf die unmittelbar Betroffenen ab, also beispielsweise MigrantInnen, sondern soll auch für eine Spaltung der Erwerbstätigen sorgen, um diese daran zu hindern, vereint und mit Nachdruck für ihre Interessen einzustehen.
Auch aus diesem Grund ist die NPD eine ständige Gefahr für JüdInnen, MigrantInnen, Andersdenkende, Homosexuelle und alle anderen Menschen, die nicht in ihr faschistisches, menschenverachtendes Weltbild passen.

… und mörderisch!
Im Hinblick auf beinahe 200 Todesopfer rechter Gewalt seit 1990, ist nicht erst seit dem Bekanntwerden der Mordserie des selbsternannten „Nationalsozialistischen Untergrunds“ klar: Faschismus ist auch heute noch eine mörderische Ideologie. Wie tief die NPD auch in den Terror des „NSU“ involviert ist, wird aktuell immer deutlicher. So waren die „NSU“-Terroristen jahrelang im „Thüringer Heimatschutz“ aktiv, mit dem die NPD stark verflochten war und auch ihre vielen Unterstützer rekrutierten sich aus diesen Kreisen. Das wohl bekannteste Beispiel hierfür ist Ralf Wohlleben. Der langjährige NPD-Funktionär aus Thüringen soll die Waffe beschafft haben, womit der „NSU“ mordend durchs Land zog. Aktuell steht er, verteidigt von seiner ehemaligen Stellvertreterin im NPD-Kreisverband Jena und Anwältin Nicole Schneiders, gemeinsam mit Beate Zschäpe vor dem Münchner Oberlandesgericht.

Vor diesem Hintergrund sind auch die vorgeschobenen Distanzierungen der NPD-Führung von den Morden des „NSU“, leicht als bloße Wahlkampfmanöver und der Versuch einem drohenden Verbot zu entgehen, zu entlarven. Die NPD-Basis übrigens, will von diesen Distanzierungen in der Regel nichts wissen und bezieht sich oft durchaus positiv auf die Taten der Nazimörder.
Doch auch abseits des „NSU“ sind – gerade auch in baden-württembergischen NPD-Strukturen – Faschisten aktiv, die die Bereitschaft, ihre Ideologie in die Tat umzusetzen, schon deutlich unter Beweis gestellt haben. Zu nennen wären hier beispielsweise der baden-württembergische NPD-Vorsitzende Alexander Neidlein, ein verurteilter Posträuber, der unter anderem als Söldner an der Seite kroatischer Faschisten kämpfte oder der Nazi Thomas Baumann, der Bomben baute, um in Freiburg ein autonomes Zentrum und das DGB-Haus in die Luft zu jagen. So ist es nicht verwunderlich, dass gerade der baden-württembergische JN-Verband, die Jugendorganisation der NPD, durch die konsequente Einbindung militanter Kameradschaftsstrukturen, wie etwa den sogenannten Autonomen Nationalisten, einer der größten der gesamten Bundesrepublik ist.

Sammelbecken für die extreme Rechte
Trotz aufkommender Konkurrenz im extrem rechten Lager durch die neue Partei „Die Rechte“ des bekannten Neonazi-Aktivisten Christian Worch, ist die NPD nach wie vor die bedeutendste Gruppierung im deutschen faschistischen Lager. Dies liegt sowohl an der bundesweiten Organisierung als Partei als auch an einem in der Vergangenheit gezielt praktizierten Annäherungskurs an die militante Kameradschaftsszene, häufig inklusive deren Einbindung in die Parteistrukturen der NPD. Auch wenn die Nazi-Partei im Moment aufgrund ihrer schlechten finanziellen Situation, einer zunehmenden Ausdifferenzierung und Spaltung in der faschistischen Szene und zuletzt schlechter Wahlergebnisse einer ungewissen Zukunft entgegensieht, bleibt sie ein gefährliches Sammelbecken für Faschisten aller Couleur.

Kasten: Andere rassistische Parteien:
Die NPD ist nicht die einzige Partei aus dem stark zersplitterten rechten Lager, die zur Bundestagswahl 2013 antritt. Auch die rechte Partei „Die Republikaner“ wird wieder mit ihren geschichtsrevisionistischen und populistischen Inhalten präsent sein. Diese Partei hat allerdings bundesweit stark an Bedeutung verloren, da auch Gruppierungen wie „Die Freiheit“ und „Pro Deutschland“ versuchen, sich mit ihren rassistischen und rechtspopulistischen Inhalten im Wahlkampf zu positionieren. Mit ihrer vor allem antiislamischen, rassistischen Hetze versuchen sie, Wählerstimmen rechts von der CDU abzugreifen. Dabei beziehen sie sich sehr stark auf den bekannten Autor und Rassisten Thilo Sarrazin.
Zudem versucht sich seit neuestem auch die „Alternative für Deutschland“ mit nationalistischen Parolen und der Forderung nach dem Ende des Euro im Wahlkampf rechts der CDU zu positionieren.

Der Kampf um die Parlamente
Mit ihrer im Jahr 1998 ausgegebenen Strategie, den Kampf um die Köpfe, die Straßen und die Parlamente zu führen, wendete sich die NPD vom Konzept einer reinen Wahlpartei ab. Fortan stellte sie vor allem auch massives Auftreten auf der Straße und ideologische Schulungen in den Mittelpunkt ihrer Politik.
Nichtsdestotrotz bleibt auch der Kampf um die Parlamente ein zentrales Aktionsfeld der NPD. Erst einmal im Parlament präsent, bietet sich den Nazis eine politische Bühne und eine mediale Aufmerksamkeit, von der sie sonst nur träumen können. Mit der instrumentalisierten Parlamentsarbeit versuchen sich die Nazis einerseits als etablierte politische Kraft darzustellen, so z.B. mit der Herausgabe von eigenen Zeitungen, und sie sind andererseits dadurch in der Lage, Aktivisten in Vollzeit anzustellen.
Ganz in der Tradition des deutschen Faschismus, versucht die NPD, die Parlamente als Sprachrohr für ihre Hetze zu nutzen und ihr erklärtes Ziel dabei ist die Abschaffung jeglicher Form der demokratischen Mitbestimmung. Ein zentraler Aspekt ist zudem, dass sich die Nazi-Partei zu einem nicht unwesentlichen Teil durch Steuergelder finanziert, da sie ab Wahlergebnissen von über einem Prozent in den Genuss der staatlichen Parteienfinanzierung kommt.

Den NPD-Wahlkampf sabotieren!
Wir wollen und werden uns im Kampf gegen faschistische Strukturen und rechte Ideologien nicht auf ergebnislose Lippenbekenntnisse von bürgerlichen Politikern verlassen. Ein Staat, der Naziaufmärsche mit massiver Polizeigewalt durchprügeln lässt, antifaschistischen Protest gegen rechte Propaganda und rassistische Hetze mit allen Mitteln versucht zu unterbinden, faschistischen Terrorzellen jahrelang beim Morden zuschaut und der NPD finanzielle und infrastrukturelle Unterstützung gewährt, ist der falsche Ansprechpartner im Kampf gegen die Gefahr von rechts. Vielmehr ist es unsere Aufgabe, selbst aktiv zu werden, antifaschistische Strukturen aufzubauen und zu stärken, um somit langfristig eine breite Bewegung gegen die Faschisten zu schaffen. Nur wenn wir es schaffen, eine umfassende Basis für antifaschistische Arbeit auf die Beine zu stellen, kann es uns gelingen, faschistische Tendenzen frühzeitig zu erkennen und im Keim zu ersticken.

Es liegt also an uns allen, zu verhindern, dass die NPD im Wahlkampf ihre menschenverachtende Propaganda in die Öffentlichkeit tragen und Werbung für ihre Strukturen machen kann. Wir müssen den Nazis unseren antifaschistischen Widerstand entgegensetzen und dürfen ihnen weder den öffentlichen Raum noch die Parlamente überlassen. Es gilt, jedes öffentliche Auftreten der Faschisten – von der Plakatieraktion bis hin zum Infostand – zu sabotieren und dadurch den Wahlkampf der NPD zum Desaster zu machen!

Ob Straßen, Köpfe oder Parlamente:
Kein Fußbreit den Faschisten!
Den Wahlkampf der NPD unmöglich machen!
Es gibt kein Recht auf Nazipropaganda!


Weitere Infos zur Teilnahme und Unterstützung an der Kampagne sowie zu geplanten Aktionen in eurer Nähe findet ihr auf der Kampagnen-Homepage.

Eine Initiative von:

Antifaschistische Linke Bühl-Achern
Antifaschistische Aktion Heilbronn
Antifaschistische Aktion Lörrach
Antifaschistische Jugend Ludwigshafen/Mannheim
Antifaschistische Aktion (Aufbau) Rastatt/Baden-Baden
Antifaschistische Aktion (Aufbau) Stuttgart
Antifaschistische Aktion (Aufbau) Tübingen
Antifaschistische Aktion [o] Villingen-Schwenningen

[TÜ]: Filmvorführung „Verboten – verfolgt – vergessen“

Ein Film zu einem vergessenen Kapitel westdeutscher Geschichte: Für uns Heutige unfaßbar, was hierzulande im Kalten Krieg passierte.

Kontakte in die DDR, Mitgliedschaft in der KPD oder anderen Organisationen, die von ihr – angeblich – „gesteuert“ wurden – das reichte in den 1950er und 1960er Jahren aus, um in Westdeutschland vor Gericht zu landen. Beschwiegene Vergangenheit der Adenauerzeit: Bis 1968 gab es wegen solcher und ähnlicher „Delikte“ rund 200.000 Ermittlungsverfahren; ungefähr 10.000 Frauen und Männer wurden verurteilt, in vielen Fällen zu jahrelangen Haftstrafen.

Beweise? Oft reichten Zeugnisse vom Hörensagen. Wer gegen Remilitarisierung, gegen Wiederbewaffnung und gegen die Gründung der Bundeswehr, wer für die Wiedervereinigung eintrat, stand unter Generalverdacht. Wer der 1956 verbotenen KPD angehört hatte oder ihr nahestand, sowieso. Viele der an den Verfahren beteiligten Richter und Staatsanwälte hatten sich bereits in der Nazijustiz „bewährt“. Der Film von Daniel Burkholz schildert, wie zum ersten Mal in der Geschichte der BRD eine außerparlamentarische Bewegung zerschlagen wurde – lange vor 1968.

Dienstag, 11. Juni 2013, Dienstag, 11. Juni 2013, 20 Uhr
Tübingen, Club Voltaire, Haaggasse 26 b

Veranstalter:
VVN-BdA Kreisvereinigung Tübingen-Mössingen, Tübinger Friedensplenum/Antikriegsbündnis, Club Voltaire e. V., Antifaschistische Aktion (Aufbau) Tübingen, SDAJ Tübingen, Linksjugend [’solid] Tübingen und [’solid].SDS Hochschulgruppe an der Ernst-Bloch-Universität Tübingen

[TÜ]: Erste Antifa-Hausbar 2013 (09. Januar 2013)

Das Jahr ist noch nicht weit fortgeschritten, manch eine_r aus der Jahresendzeitstarre noch nicht gänzlich erwacht, da auch die Außentemperaturen bisweilen noch frostig sind. Doch dies alles darf nicht weiter ins Gewicht fallen. Denn es soll bald wieder heiß werden in den Köpfen und auf den Straßen!

Aus Erfahrung zeigt sich, wie viele wichtige antifaschistische Mobilisierungen sich zu Jahresbeginn ankündigen. Als Schlagworte sollen die Städte Magdeburg, Dresden, Pforzheim, München und Dortmund genannt werden. Aber auch Termine in der Region, wie etwa in Stuttgart und Mössingen, stehen auf dem Programm.

Um uns allen einen kleinen Überblick zu verschaffen, wollen wir euch ganz herzlich zur ersten Schelling-Hausbar des Jahres am 09. Januar 2013 organisiert von uns gemeinsam mit der Bunten Antifa Mössingen einladen. Ab 19 Uhr wird es lecker Vokü geben, um danach auf die anstehenden Termine aufmerksam machen zu können. Besondere Aufmerksamkeit soll dabei die Mobilisierung nach Pforzheim erfahren.

Mit einer seit 1994 regelmäßig stattfindenden „Mahnwache“ wird am 23. Februar 2013 in Pforzheim wieder der Versuch unternommen, reaktionäres und geschichtsverfälschendes Gedankengut salonfähig zu machen. Dabei werden die antifaschistischen, militärischen Abwehrkämpfe der Alliierten als Verbrechen deklariert, und versucht, dass Täter-Opfer-Verhältnis der faschistischen Verbrechen im 2. Weltkrieg umzukehren.

Detailliertere Informationen zu den Gegenmaßnahmen sollen an diesem Abend gestreut werden. Ebenso soll es einen Raum dafür geben, gemeinsam Überlegungen anzustellen, wie sich antifaschistische Arbeit in Zukunft kontinuierlicher und noch effektiver gestalten kann.

Anschließend gibt’s gute Musik und Soli-Schnäpse in der Hausbar.

Die Offensive starten – Faschisten auch im Jahr 2013 entschlossen entgegen treten!

[FR]: REMEMBERING MEANS FIGHTING!

[S]: Letzte Infos zu den Protesten gegen den „Burschentag“ am 24.11.

Aus Tübingen und Reutlingen wird es eine gemeinsame Anreise mit der Bahn zu den Protesten gegen den außerordentlichen „Burschentag“ der DB in Stuttgart geben.

Zugtreffpunkt für Tübingen: 10:15 Uhr am Hauptbahnhof
Zugtreffpunkt für Reutlingen: 10:30 Uhr am Hauptbahnhof

(Bringt alles mit, womit man Lärm gegen die Burschis machen kann!)

[S]: Aufruf: Rechte Traditionen durchbrechen! Kein Burschentag in Stuttgart!

Die „Deutsche Burschenschaft“ (DB) plant für das Wochenende vom 23. bis 25. November 2012 in Stuttgart-Untertürkheim einen außerordentlichen Burschentag.
In der DB, die einen Dachverband mehrerer Burschenschaften darstellt, sind schätzungsweise zehn Prozent aller Verbindungen in Deutschland vertreten.
Burschenschaften sind Zusammenschlüsse, die heute vor allem in Universitätsstädten versuchen mit billigen Wohnmöglichkeiten und einem bereits bestehenden „sozialen Netz“ junge und fremde Student_innen anzulocken. Mit regelmäßig stattfindenden Veranstaltungen und Partys zu unterschiedlichen Themen, Gemeinschaftsgefühl, Beherbergungsmöglichkeiten für wenig Geld und dem Gefühl der Geborgenheit in einer neuen Umgebung, das für viele neue Student_innen wichtig ist, versuchen sie neue Mitglieder zu werben. Auf den ersten Blick ist hieran nichts auszusetzen. Bei näherem Betrachten erst bemerkt man, womit diese vermeintlichen Vorteile eigentlich verknüpft sind. Denn die meisten Burschenschaften, v.a. diejenigen, die in der „Deutschen Burschenschaft“ organisiert sind, knüpfen ihre „Angebote“ an gewisse Bedingungen. So ist eine der Voraussetzungen, dass die Bewerber männlichen Geschlechts und Deutsche sind. Auch ist man in den eigenen Reihen stolz auf den geleisteten Wehrdienst, hier spiegelt sich auch die Nähe der Burschenschaften zum Militär wieder. Frauen werden hier eher selten aufgenommen und stellen nur die Zierde an der Seite eines Mannes dar. Sie gelten als Anhängsel der Männer, ohne eigenen Verstand und Willen.
Viele der in der DB organisierten Burschenschaften haben keine Berührungsängste mit der extremen Rechten, auch wenn zwischenzeitlich in diesem Punkt Kritik laut wird. Der für Ende November angesetzte Burschentag in Stuttgart ist, eben aus diesem Grund anberaumt worden. Innerhalb der DB gibt es Streit zwischen einer rechtskonservativen Minderheit und dem radikal-völkischen Flügel, der überwiegend in der „Burschenschaftlichen Gemeinschaft“ organisiert ist, was zwischenzeitlich mit einer Spaltung der DB zu enden droht.
Weitere Beispiele bei denen die DB durch rechte und nationalistische Umtriebe aufgefallen ist, sind: Bei der Verbandstagung anlässlich des 175. Jubiläums des Hambacher Fest trat Gisela Pahl aus Hamburg als Rednerin auf, die im „Deutschen Rechtsbüro“ juristische Beratung für von staatlicher Repression betroffene Neonazis anbietet. Auch kommt der Vorwurf, die DB distanziere sich nicht von der extremen Rechten, mehrfach sogar aus den eigenen, zutiefst rechtskonservativen Reihen. So schrieb die Adelphia Würzburg bei ihrem Austritt aus der DB 2011 beispielsweise „Der Unterzeichner hält es für verfehlt, von einer Minderheit, die die Mehrheit majorisiert, zu sprechen. Der Unterzeichner hält es auch für verfehlt, vom rechten Rand zu sprechen. Es ist die rechte Hälfte oder der rechte Flügel um genauer zu sein.“
Was wir von diesen reaktionären und sexistischen Burschenschaften halten, wollen wir ihnen gemeinsam Ende November zeigen. Wir wollen mit kreativen und entschlossen Aktionen unseren Protest zum Ausdruck bringen!

Corps, Sängerschaften, Burschenschaften – was sind eigentlich Studentenverbindungen?
In Deutschland gibt es ungefähr 1.000 Studentenverbindungen mit 22.000 studentischen Mitgliedern und 135.000 „Alten Herren“, darunter befinden sich schätzungsweise 140 Burschenschaften mit insgesamt 19.000 Mitgliedern. Auch wenn es viele verschiedene Arten von Studentenverbindungen – auch Korporationen genannt – wie beispielsweise Corps, Turnerschaften, Sängerschaften oder die bereits erwähnten Burschenschaften gibt, so haben sie doch alle Gemeinsamkeiten, die im 19. Jahrhundert ihre bis heute gültige Form erhalten haben.
Eine dieser Gemeinsamkeiten ist, dass, wer in eine Verbindung eintritt, nicht von Beginn an vollgültiges Mitglied ist. Zunächst ist man für einige Semester „Fux“. Als „Fux“ bekommt man Unterricht in allen möglichen das Leben in einer Verbindung betreffenden Alltagsfragen. Und erst nach Ende der Fuxenzeit, nach der „Burschung“, ist man vollgültiges Mitglied. Als „Aktiver“ ist man dann dazu angehalten, Ämter wie beispielsweise Kassenwart oder Sprecher zu übernehmen. Nach einigen Semestern, wenn man in der Hierarchie weiter aufgestiegen ist, wird man als „Inaktiver“ bis zum Studienende von diesen Aufgaben befreit. Der nächste Statuswechsel erfolgt mit dem Eintritt in die Berufstätigkeit. Man gehört dann zu den „Alten Herren“, welche in Altherrenverbänden organisiert sind und sich darum kümmern, die Finanzierung für das Verbindungshaus zu stemmen, damit der Wohnraum dort so billig wie möglich bleibt. Oftmals werden potentielle Mitglieder genau von der Möglichkeit, billig wohnen zu können, angelockt.
Eine weitere Gemeinsamkeit der Korporationen ist das so genannte Lebensbundprinzip, soll heißen: Wer einmal in eine Verbindung eintritt, bleibt – im Regelfall – lebenslange Mitglied. Genau dieses Prinzip führt dann zur Herausbildung von Seilschaften. Ältere Verbindungsmitglieder unterstützen jüngere stark im Berufsleben und verhelfen ihnen zu wichtigen Positionen. Das wirkt einerseits prägend für das Selbstbild als akademische Elite und andererseits ermöglicht es viele der eigenen Leute in wichtige Positionen zu heben.
Eine inhaltliche Gemeinsamkeit ist das Festhalten an reaktionären Traditionen und Wertvorstellungen. Es gibt streng festgelegte Verhaltenskodices, die so genannten „Commente“, die beispielsweise Feierriten beinhaltet. Dadurch wird der strukturelle Konservativismus der Verbindungen weiter begünstigt.

Und was unterscheidet die verschiedenen Arten von Korporationen jetzt voneinander? Bei der großen Mehrheit von ihnen handelt es sich um Männerbünde; nur wenige nehmen seit den 1970er-Jahren – teils aus Mitgliedermangel, teils aus Finanznöten – auch Frauen auf. Ein Sonderfall sind auch reine Frauenverbindungen. Weitere Unterschiede bei Verbindungen sind das Farbentragen und die Mensur (schlagend). Bei der Mensur wird mit scharfen Waffen gefochten. Dies dient dazu, die Verbindungsmitglieder zu trainieren schmerzen zu ertragen und „männlich“ zu sein, um für die Gemeinschaft bedingungslos einzustehen. Ist eine Verbindung farbentragend, sind die Mitglieder verpflichtet bei besonderen oder öffentlichen Auftritten einen Hut und eine Schärpe in den Farben der Verbindung zu tragen. Damit soll das Gefühl des Elitentums und der Schicksalsgemeinschaft verstärkt werden. Viele Verbindungen nehmen nur „Deutsche“ auf, wobei hier nicht die Staatszugehörigkeit sondern die Abstammung entscheidend ist – also auch heute noch eine Art von „Ariernachweis“. Österreicher gelten durchaus als „Deutsche“, Menschen mit Migrationshintergrund jedoch nicht.

„Ehre, Freiheit, Vaterland“ – die völkische Ideologie der Burschenschaften

Anders als andere Verbindungen verstehen Burschenschaften sich als politische Organisationen. Burschenschaften bestehen immer als Einzelorganisationen mit eigenen Traditionen und Farben. Häufig gibt es mehrere von ihnen in einer Stadt, wie beispielsweise in den Universitätsstädten Tübingen, Heidelberg oder Marburg, aber auch in Stuttgart haben sich Burschenschaften rund um beide Unis angesammelt. Burschenschaften arbeiten meistens mit anderen Studentenverbindungen in derselben Stadt zusammen.
Ihre politischen Themen sind eng gebunden an die Themen ihres Wahlspruchs „Ehre, Freiheit, Vaterland“. Hier offenbart sich völkische Ideologie als Kern burschenschaftlichen Denkens. So ist auch die erste Burschenschaft, die „Jenaer Urburschenschaft“ 1815 unmittelbar aus der völkischen Bewegung heraus entstanden, die eine Konsequenz des preußischen Feldzuges gegen Napoleon 1813 war. Typisch für die völkische Ideologie ist die Ansicht, das Judentum sei keine Religion. Juden und Jüdinnen wurden als „Volk“ angesehen. Antisemitismus gehörte so von Anfang an zur burschenschaftlichen Politik. Schon 1817 beim Wartburgfest riefen Burschenschafter lauthals „Wehe über die Juden“ und verbrannten Werke jüdischer Autor_innen. 1896 gab der Dachverband der Deutschen Burschenschaften eine Stellungnahme heraus, „dass auch in Zukunft die Burschenschaften in ihrer ablehnenden Haltung gegen die Aufnahme jüdischer Studierender einmütig zusammenstehen werden“.
In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts waren viele Burschenschaften zeitweise verboten, da sie gegen die Feudalaristokratie agiert haben. Diese Verbote wurden mit der Gründung des Deutschen Reiches (1871) aufgehoben und die Burschenschaften wurden schon bald zum Sammelbecken reaktionärer Ideologien in der Weimarer Republik. Viele Burschenschafter waren zu dieser Zeit in Freicorps organisiert und nahmen am Hitler-Putsch (1923) teil. Am deutlichsten werden die pronazistischen Positionen der Burschenschafter in einer offiziellen Stellungnahme zum 30.01.1933. Hier heißt es: „Was wir seit Jahren ersehnt und erstrebt und wofür wir im Geiste der Burschenschafter von 1917 (…) gearbeitet haben, ist Tatsache geworden.“ Während des Hitlerfaschismus’ wurden die Burschenschaften in den Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbund (NSDStB) eingegliedert und in „Kameradschaften“ umbenannt. Nach der Befreiung waren sie aufgrund ihrer klar pronazistischen Positionen verboten. Doch schon Ende der 1940er-Jahre wurde dieses Verbot gelockert und es kam zu Wiedergründungen. Nur in der DDR blieben Studentenverbindungen weiterhin offiziell verboten.

Die „Deutsche Burschenschaft“ und ihr Verhältnis zur extremen Rechten
Die einzelnen Burschenschaften sind in zwei Dachverbänden organisiert, der 1950 wiedergegründeten „Deutschen Burschenschaft“ (DB), in der 120 Burschenschaften mit insgesamt 15.000 Mitgliedern organisiert sind, und der 1996 aus einer Abspaltung von der DB hervorgegangenen „Neuen deutschen Burschenschaft“ (NDB). Die Dachverbände halten jährliche Mitgliederversammlungen ab, die so genannten „Burschentage“, an welchen politische Entscheidungen getroffen werden, welche die offizielle Linie des Verbandes wiedergeben. Während in der NDB nur Burschenschaften aus Deutschland organisiert sind, gehören der DB auch 20 Korporationen aus Österreich an. Hauptunterschied zwischen den beiden Dachverbänden ist der Radikalisierungsgrad, mit welchem sie ihre völkische Ideologie vertreten.
Eine Gemeinsamkeit aller Burschenschaften ist ihre Vorstellung, es gäbe ein „deutsches Volk“, was nicht an eine bestimmte Staatsbürgerschaft geknüpft ist, und die Vorstellung, in zahlreichen europäischen Staaten würden „deutsche Volksgruppen“ leben. Beispiele hierfür sind „Südtirol“ (Italien), „Sudetenland“ (Tschechien) und „Schlesien“ (Polen).
Das völkische Prinzip wird von manchen Burschenschaften radikaler und von manchen weniger radikal ausgelegt. In der DB herrscht seit der Abspaltung der NDB die radikalere Auslegung vor. Ein Beispiel, das die Differenz zwischen beiden Auslegungen gut illustriert, sind die Europakonzeptionen der verschiedenen Flügel. Während Gemäßigt-Völkische Europa mittels eines „europäischen Volksgruppenrechtes“ gliedern wollen, das allen „Völkern“ kollektive Sonderrechte einräumt, wollen die Mitglieder der DB mehrheitlich, dass die „deutschen Volksgruppen“ in anderen europäischen Staaten, direkt zum deutschen Staat gehören sollen. Immer wieder wird das Konzept des militanten „Volkstumkampfes“ diskutiert, dessen historisches Vorbild unter anderem in Italien liegt, wo die Ablehnung der „deutschen“ Minderheit gegen den italienischen Staat dazu führte, dass Burschenschafter terroristische Aktionen durchführten. Die österreichische Regierung verbot daraufhin 1961 die Burschenschaft Olympia Wien. Der radikal-völkische Flügel dominiert die DB nicht nur aufgrund seiner Mitgliederzahl sondern auch durch seinen besseren Organisierungsgrad. Ein wichtiger innerverbandlicher Zusammenhang in diesem Kontext ist die „Burschenschaftliche Gemeinschaft“. Der gemäßigt-völkische Flügel orientiert sich politisch stark an den Unionsparteien, während der radikale verschiedenen Organisationen der extremen Rechten unterschiedlich nahe steht.
Bekannte Vertreter des radikal-völkischen Flügels der DB sind Jürgen W. Gansel (Burschenschaft Dresdensia-Rugia zu Gießen und EX-NPD-Bundesvorstandsmitglied) und Rolf Schlierer (Gießender Burschenschaft Germania und Ex-REP-Vorsitzender). Auch die Burschenschaft Danubia München ist für ihre Verstrickungen bekannt. Mitglieder waren in den Aufbau der Nazi-Zeitung „Junge Freiheit“ maßgeblich involviert, schrieben für die REP-Parteizeitung oder für die Zeitschrift „Nation und Europa“. 2001 wurde bekannt, dass ein wegen Körperverletzung polizeilich gesuchter Neonazi von den „Danuben“ in ihrem Verbindungshaus versteckt wurde.
Man mag sich nun fragen warum so ein Kongress in Stuttgart stattfindet, einer Stadt die sonst eher nicht für die Aktivitäten von Burschenschaften bekannt ist. Doch auch in Stuttgart und der näheren Umgebung haben Burschenschaften ihr Netz der Seilschaften aufgebaut und unterstützen dabei auch aktiv Faschisten. In der Anwaltskanzlei H3 zum Beispiel haben neben dem ehemaligen Burschenschafter Klaus Harsch mehrere Faschisten gearbeitet, wie Steffen Hammer, der bei der Naziband Noie-Werte sang und Alexander Heinig der bei der ebenfalls faschistischen Band Ultima Ratio Mitglied war. Von diesen beiden Kollegen trennte er sich erst als von vielen Seiten Kritik aufkam. Mit Nicole Schneiders, der vierten Anwältin der H3 Kanzlei, verteidigte Harsch noch Ende 2011 Ralf Wohlleben, der wegen Verstrickungen in den NSU Skandal angeklagt war. Erst nachdem öffentlich wurde, dass Schneiders bei der NPD als Assistentin Wohllebens auftrat und es Proteste gab, sah sich Harsch gezwungen ihr zu kündigen, um seinen angeblich guten Ruf zu wahren.

Die Sicht auf Frau und Mann und das Ideal der bürgerlichen Familie

In Burschenschaften wird eine klare Rollenverteilung zwischen Frau und Mann gelebt und vorgeschrieben. Burschenschafter gehen dabei von einem biologisierendem Naturverständnis der Geschlechter aus, d. h. sie schreiben den zwei für sie existierenden Geschlechtern Merkmale aufgrund des Körpers zu. Die Frau übernimmt dabei die Eigenschaft der Gebärenden und der Mann des Erzeugers.
Das bürgerliche Bild der Familie wird dabei als Ideal des menschlichen Zusammenlebens gesehen. Das persönliche Wirkungsfeld der Frau ist dabei der private Bereich des Hauses mit Aufgaben wie Hausarbeit, das Gebären von Kindern und Kindererziehung. Geht die Frau aus ihrem häuslichen Umfeld heraus, ist es ihre Aufgabe den Mann an ihrer Seite zu unterstützen und bedingungslos für ihn da zu sein. Passend zu diesem Bild der Frau allein als Ehefrau und Mutter, werden ihr Charaktereigenschaften wie Emotionalität, Aufopferungsgabe, Ungebildetheit oder … zugeschrieben.
Der Mann bildet in der bürgerlichen Familie den Gegenpart zur Frau. Sein Wirkungsfeld ist das öffentliche Leben und die Politik – er geht sozusagen in die weite Welt hinaus, verdient Geld für die Familie und regelt noch nebenbei die Gesellschaft. Eigenschaften, die dem Mann zugeschrieben werden sind körperliche und Willensstärke, Mut und Intelligenz. Das Ideal des Kriegers wird bei den Burschenschaften immer noch sehr hoch geschätzt. Inspiriert wurde die Gründung der Burschenschaften von Freikorps und auch heute noch werden Zivildienstleistende in Burschenschaften ausgeschlossen oder sind mindestens unerwünscht. Das Fechten soll ebenfalls einer Art Kriegsschauspiel ähneln und die Charaktereigenschaften des Mannes weiterentwickeln. Gelehrt werden dabei Gehorsam und der Wille für die Gemeinschaft bedingungslos einzustehen. Der Biercomment, also das Betrinken im Burschenschaftskreis, soll ebenfalls dazu beitragen und den Gemeinschaftssinn und das Bewusstsein als Elite stärken.
Die Elite, die die Burschenschaften darstellen wollen, ist natürlich männlich und deshalb ist es Frauen nicht gestattet in Burschenschaften einzutreten. Das Haus der Burschenschaft darf die Frau auch nur zu besonderen Veranstaltungen oder Festivitäten betreten und gilt dann als Zierde des Mannes oder als etwas Dekoratives.
Das Bild der männlichen Elite ist zur Zeit der Gründung der Burschenschaften entstanden, als nur Männer studieren durften und Frauen damit der universitäre Gedankenaustausch verwehrt blieb. Auch in heutiger Zeit vertreten sie in ihren Zeitungen noch die Meinung, „die menschliche Weltordnung ist auf das männliche ausgerichtet“ und „ unser Burschenbrauchtum ist auf das Männliche ausgerichtet“.
Bei der Konzentration auf die Erfüllung der Aufgabe des „Mannseins“ ist es nur logisch, dass der Verlust oder andere Personen, die angeblich weniger männlich wirken, Ängste bei den Burschenschaften hervorrufen. So hat man Angst vor den „verweiblichten“ Homosexuellen und den angeblich ihrer Mannhaftigkeit beraubten Juden.
Burschenschaften unterstützen und reproduzieren also ganz klar eine patriarchale Gesellschaft, bei der die Frau auf ihren Körper reduziert wird und systematisch durch die Bildung von männlichen Eliten auf den für sie angedachten Wirkungsplatz – also das Haus – verwiesen wird oder falls sie doch arbeiten geht, auf Hilfstätigkeiten und schlecht bezahlte Arbeit.
Diese reaktionäre Gesellschafts- und Geschlechtervorstellung ist für uns inakzeptabel und deshalb werden wir unseren Protest auf die Straße tragen. Also haltet euch auf dem Laufenden, was die Mobilisierung gegen den außerordentlichen Burschentag 2012 in Stuttgart betrifft und beteiligt euch an den Protesten!

Gegen das Hofieren reaktionärer Seilschaften!
Gegen Sexismus, Rassismus und Antisemitismus!
Burschis entschlossen entgegentreten

- Antifaschistische Aktion (Aufbau) Stuttgart
- Antifaschistisches Aktionsbündnis Stuttgart & Region (AABS)
- Antifaschistische Aktion Heilbronn
- Antifaschistische Aktion (Aufbau) Tübingen
- Antifaschistische Jugend Rems Murr
- Antifaschistische Gruppe Göppingen
- FAU Stuttgart
- Frauengruppe Stuttgart
- Weiler schaut hin! e.V.
- Initiative „Rems Murr nazifrei“
- Offenes Antifaschistisches Bündnis Kirchheim/ Teck
- Murder Disco X Stuttgart
- Linke Aktion Villingen-Schwenningen
- antifa-Referat des u-astas Freiburg
- Linksjugend [’solid] Baden-Württemberg

Aktuelle Infos und Termine zur Mobilisierung vor Ort findet ihr auch auf der Homepage der Frauengruppe Stuttgart.

[TÜ]: Alternativer Dies Universitatis am 18.10.

AlDi

Am kommenden Donnerstag, den 18. Oktober 2012, veranstaltet die Universität Tübingen wieder ihren „Dies Universitatis“. Dieser Tag ist v.a. für die neuen Studierenden gedacht, denen sich die Universität vorstellen möchte. Dabei bietet sie auch (farbentragenden) Verbindungen ein Forum und möchte darauf unter keinen Umständen verzichten.
Für viele Studierende, studentische Gruppen usw. ist das untragbar. Deshalb organisieren sie zeitgleich und gegenüber im Klubhaus – dem letzten Hort studentischer Selbstverwaltung – einen eigenen Universitätstag, einen Alternativen Dies, kurz AlDi.

Während sich also im Muff der „Neuen Aula“ die (Möchtegern-)Elite selbst feiert und in langweiligen Reden zur Exzellenz gratuliert, werden sich im Klubhaus all die Gruppen vorstellen, die das nicht Seite an Seite mit Burschenschaftern machen wollen.

Programm des Alternativen Dies 2012:
17-20 Uhr Infostände der studentischen Gruppen
17-19 Uhr live-Übertragung der Wüsten Welle
17 Uhr Kritische Einführung in Wissenschaft und Lehre in Tübingen: Militarisierung, Tierversuche und Exzellenz
18 Uhr Wohnungsnot und Wohnungsmarkt – Grundsätzliches, Praktisches, Alternativen
19 Uhr Junge Burschen und Alte Herren – Einführung in die Verbindungskritik
20 Uhr Vokü – Essenskisten weg! (vegan)
21-03 Uhr Klubhausfest von FSRVV und Oikos mit „Klangexperimente“ (Elektrosoundsystem) und den DJs Melchiades (Global Bass), Mimu & Rich Random (Underground Stage) und Jens Hagelstein (Minimal)