Archiv für Mai 2020

Höchste Zeit zu Handeln! Einschätzung und Vorschläge zum Umgang mit den Corona-Demos

Seit einigen Wochen formiert sich, angetrieben vom Unmut über die Einschränkungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie, in vielen Städten der Bundesrepublik eine neue politische Bewegung. Sie nennen sich „Hygiene-Demo“, „Widerstand2020“, „Corona-Rebellen“ oder „Querdenken“. Nicht alle Gruppen sind vernetzt oder beziehen sich aufeinander, dennoch teilen sie mehr als den diffusen Unmut. Es sind vor allem das von Abstiegsängsten geplagte Kleinbürgertum und (kulturell) abgehängte Teile der Unterschicht, die sich hier mit allerhand reaktionären politischen Randgruppen auf der Straße treffen.

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[RT] AfD-Hygienedemo am 11. Mai fiel wortwörtlich ins Wasser!

Für den Montag, 11. Mai um 17 Uhr wurde über social-media eine der sog. Hygienedemos in der Reutlinger Innenstadt beworben. Diese wurde in einem facebook-Post von Daniel Jones (facebook- Profil: Jones Dany) vom 06. Mai 2020 angekündigt. Noch am selben Tag wurde der Post von der offiziellen facebook-Seite der „AfD Münsingen Alb“ geteilt. Zwei Tage später fand sich der Post dann auch im facebook-feed der AfD Reutlingen wieder. Diese fügte aber noch die Bitte hinzu, die Teilnehmer sollten Masken tragen. Davon war heute bei den Veranstaltern und den Teilnehmern wenig zu sehen. Anders, als bei anderen „Grundrechte-Demos“, wie bspw. in Stuttgart, ist der Anmelder und Initiator der Reutlinger Kundgebung, Daniel Jones, Mitglied bei der AfD. Mehr noch, er ist Teil des Kreisvorstand der AfD Reutlingen und Sprecher der AfD Münsingen. Für diese sprach er dann auch als erster Redner der Kundgebung. Die zweite Rede übernahm sein Vorstandskollege Hansjörg Schrade, der als Quellen bspw. die Redner der Samstagsdemos in Stuttgart, „Tichys Einblick“ oder „Die Achse des Guten“ zitierte. Ein ähnliches Bild zeichnete sich auch im Publikum ab. Der Großteil der maximal 20 Teilnehmer schien es offensichtlich nicht zu stören, dass die beiden einzigen Redner für die AfD sprachen. Auch der Regenschirm und die Technik, die den kläglichen AfD-Haufen etwas vor dem strömenden Regen schützen sollten, wurden kurz vor Kundgebungsbeginn von Hansjörg Schrade angeliefert.

Spontan entschloss sich das Bündnis Gemeinsam & Solidarisch gegen Rechts Reutlingen und Tübingen dazu, die Veranstaltung kritisch zu begleiten. Ca. 30 Antifaschist*innen beflyerten vorbeigehende Passant*innen . In dem Flyer (s.u.) wurde darauf aufmerksam gemacht, dass es grundsätzlich wichtig ist, Freiheitsrechte zu verteidigen. Dies aber mit der AfD zu tun ähnlich ist, wie Feuer mit Benzin zu bekämpfen. Einige Unentschlossene konnten durch die Flyer vom Teilnehmen der Kundgebung abgehalten werden. Es wurde außerdem mit Parolen klar gemacht, dass es sich bei den selbsternannten Grundrechtsrechtsverteidigern auf dem Marktplatz um die Freiheitsfeinde und Höcke-Freunde der AfD Reutlingen handelt.

Fazit: Die Kundgebung gestern Nachmittag war eine eindeutige AfD Veranstaltung. Sie konnte, ob dem Regen geschuldet oder nicht, nur einige wenige Hartgesottene anziehen. Ob das so bleibt ist momentan noch nicht eindeutig zu sagen. Daniel Jones zumindest kündigte weitere Veranstaltungen dieser Art an. Und wie wir in den vergangenen Wochen leider alle bitterlich feststellen mussten, tummelten sich in anderen Städten, auch bei den Stuttgarter Kundgebungen, eine Mischung aus Impfgegnern, Verschwörungstheoretikern, wirklich ums Grundgesetzt besorgte und rechte bis offenen faschistische Kräfte. Vor allem auf die Stuttgarter Veranstaltung, bei der das rechte „Compact“-Magazin einen eigenen Stand, u.a. Christina Baum und Stefan Räpple (AfD-Landtagsabgeordnete) anwesend waren und waschechte Faschos mit „nationaler Widerstand“-Shirts Ordnerbinden trugen, bezogen sich Schrade und Jones in ihren Reden.
Wir werden das weiter beobachten! Keine AfD-Veranstaltung in Reutlingen ohne unseren Protest!

Weitere Bilder und den Flyer des Bündnis Gemeinsam & Solidarisch gegen Rechts findet ihr beim Offenen Treffen gegen Faschismus und Rassismus Tübingen und die Region!

[TÜ] 75 Jahre 8. Mai – 75 Wandzeitungen zum Tag der Befreiung angebracht

In der Nacht auf den 8. Mai haben antifaschistische Aktivist*innen 75 Wandzeitungen, welche sich mit dem 75. Jahrestag der Befreiung vom Faschismus an der Macht befassen, an verschieden Orten in der Stadt angebracht. Auch 75 Jahre später verliert der Kampf gegen Faschismus nicht an Wichtigkeit – im Gegenteil. Rechter Terror wie in Hanau, Halle oder Kassel zeigt, dass auch heute noch konsequent gegen rechte und faschistische Umtriebe vorgegangen werden muss und wir noch weit davon entfernt sind vom Übel des Faschismus befreit zu sein. Von selbst wird sich daran auch nichts ändern – Antifa bleibt Handarbeit.

Hier findet ihr den Text der Wandzeitung als pdf: Wandzeitung


[TÜ] Kurzer Nachbericht zur 8. Mai Kundgebung

Zum 8. Mai haben wir gemeinsam mit dem Offenen Treffen gegen Faschismus und Rassismus Tübingen und Region (OTFR) und vielen anderen Tübinger und auch Reutlinger Gruppen zu einer Kundgebung anlässlich des 75. Jahrestags der Befreiung vom Faschismus an der Macht aufgerufen. Trotz Corona-Virus konnte diese statt finden und es beteiligten sich fast 400 Personen aus unterschiedlichen Spektren der antifaschistischen und antimilitaristischen Bewegung. Es wurde darauf geachtet, das Infektionsrisiko so gering wie möglich zu halten, in dem Mindestabstände durch Klebeband am Boden eingezeichnet wurden und die Teilnehmer*innen aufgefordert wurden, Mundschutz zu tragen. Das OTFR hat sich mit einem Redebeitrag an der Bündniskundgebung beteilig. Den Redebeitrag findet ihr HIER. Es sprachen außerdem der ver.di-Landesvorsitzende Martin Gross, eine Vertreterin der VVN-BdA, die Informationsstelle Militarisierung Tübingen und die Gesellschaft der Kultur des Friedens. Begleitet wurde die Kundgebung durch kurze Liedbeiträge 2er Tübinger Künstler.

Bereits im Vorhinein zum 8. Mai wurden Antifaschist*innen in der Stadt kreativ aktiv. So benannten das OTFR am 19. April, dem Tag der Befreiung Tübingens, die Eberhardsbrücke in die „Brücke der Befreiung“ um. Außerdem plakatierten und hängten Antifas in der ganzen Stadt verteilt Wandzeitungen zur Befreiung vom Faschismus an der Macht.

Es ist für uns klar, dass wir auch in Zukunft den 8. Mai in Tübingen als einen Tag feiern werden, an dem die Herrschaft des Faschismus beendet wurde und an dem wir allen Menschen gedenken, deren Leben durch den Faschismus ausgelöscht wurde. Aber wir wollen auch denen gedenken, deren Opfer nötig war, die Macht des Faschismus zu brechen. Dies wollen wir uns zur Mahnung nehmen, auch im Hier und Jetzt konsequent gegen Rechte und Faschisten auf die Straße zu gehen, besonders in einer Zeit, in denen sich Faschisten offen an der Seite von ImpfgegnerInnen und VerschwörungstheoretikerInnen an Kundgebungen beteiligen und eine plurale Rechte versucht die Sorgen um aktuelle Freiheitseinschränkungen zu instrumentalisieren.

Nie wieder Krieg! Nie wieder Faschismus!

Weitere Bilder findet ihr beim Offenen Treffen gegen Faschismus und Rassismus Tübingen und die Region!